Wasserturm im Glacis

Mit 36 Metern Eigenhöhe das Wahrzeichen Neu-Ulms, der Wasserturm im Kollmannspark beim Glacis.

Wasserturm im Neu-Ulmer Glacis-Park im Herbst

Schon längere Zeit hatten sich die Stadtväter der aufstrebenden bayerischen Nachbarstadt um eine zentrale, gesicherte Versorgung der Stadtbewohner mit reinem Wasser gekümmert, damit endlich die üblichen, hauseigenen Pumpbrunnen ersetzt werden könnten. Die Suche nach ergiebigen Quellen blieb jedoch erfolglos, es musste auf das Grundwasser zurückgegriffen werden; solches fand sich in geeigneter Qualität noch innerhalb der einstigen Bundesfestungsumwallung in der südwestlichen Ecke der damaligen Stadt.

Als Fundament des hier, neben dem einzurichtenden Pumpwerk, erbauten Wasserturmes konnte das militärisch nicht mehr benötigte Kriegspulvermagazin II, 1850-1853 zur Lagerung von 1.200 Zentnern Pulver angelegt, genutzt werden. Auf diesem heute als Ausstellungsraum zur Bundesfestung dienenden Festungswerk begann im Oktober 1898 Stadtbaumeister Karl Walder den von ihm geplanten Wasserturm zu errichten. Am 1. April 1899 war der Wasserhochbehälter fertiggestellt; von ihm aus floss seit 24. Oktober 1900 durch das physikalische Prinzip der verbundenen Röhren das Wasser in die ca. 470 Neu-Ulmer Häuser, rund 8.700 Bewohner der Stadt erreichend. Der Wasserturm gehörte zu einer Reihe zeitgleicher Infrastrukturmaßnahmen des Neu-Ulmer Urbanisierungsprozesses; seit 1900 beleuchteten beispielsweise auch 15 Bogenlampen und 71 Glühlichter hell die Straßen.

Walder baute in modernster Technik sein Reservoir für 350 Kubikmeter Trinkwasser, nämlich nach dem „Intze“-Prinzip. Dieses hatte der Bauingenieur Otto Intze (1843-1904) entwickelt; hierbei wurde auf einen schlanken, Material- und Baukosten sparenden Turmschaft ein breiterer, auskragender Turmkopf gesetzt. In ihm war der Wasserbehälter aus Stahl eingebaut und mit nach oben gewölbtem Boden bei gleichzeitig abgeschrägtem unteren Rand so geformt, dass seine Last stabil auf den Turmschaftmauern aufsitzen konnte. Nach dieser revolutionären Bauweise wurden weltweit etwa 500 Wasser- und Gastürme errichtet.

Allerdings zeigt sich seit 1953 der ursprünglich nur grau bemalte Turm in freundlicherer, zu seinem neubarocken Outfit samt „wilhelminischer Pickelhaube“ als Bedachung besser passenden rosa Farbton mit weißer Hervorhebung der Bauzier. Übrigens ist der Turm im Neu-Ulmer Stadtwappen nicht unser Wasserturm; der im 1857 verliehenen Wappen stehende silberne Zinnenturm ist ein fiktiver Festungstorturm, Symbol für die Bundesfestung.

 

Ulmer Weihnachtsmarkt

Ulmer Weihnachtsmarkt mit Weihnachtsbaum und Marktbesuchern in den Marktgassen

Ulmer Weihnachtsmarkt mit Weihnachtsbaum und Marktbesuchern in den Marktgassen

Erneut beschließt der Kalender das Jahr mit einem lichterglänzenden, friedlichen Monatsbild des traditionellen Ulmer Weihnachtsmarktes auf dem Münsterplatz, „zu Füßen des höchsten Kirchturmes der Welt“. Doch so harmonisch die geschmückten Giebelchen der Weihnachtsmarktholzhäuschen auch zu den sie überragenden Giebeln der Geschäftshäuser, im Umriss ebenfalls festlich beleuchtet, passen – so wenig friedlich war der „Wiederaufbau“ der Innenstadt nach dem zerstörerischen Bombenangriff vom 17. Dezember, dem dritten Adventssonntag 1944. Auch hier am gänzlich zerstörten Westlichen Münsterplatz, den das Bild zeigt, wurde nach 1945 mit heftiger Polemik um Tradition und Moderne gerungen.

Um 1900 ersetzten höhere, neue Geschäftshäuser, durchwegs mit Giebeln zum Platz, ältere Giebel- und auch Traufhäuser am Westlichen Münsterplatz; diese in „Neoarchitektur“-Formen erbauten Gebäude wurden sämtlich bombenzerstört. Der „Wieder“-, besser „Neu“-Aufbau der Innenstadt an dieser heiklen Stelle gegenüber dem Münster sah zunächst in der Regel Flachdachbebauung vor. Sogar eine direkte, schnurgerade Straßenverbindung vom Hauptbahnhofbereich zum Münsterhauptportal, Bahnhof- und Hirschstraße vertretend, war geplant. Als am 27. März 1947 Max Guther in Ulm Stadtbaurat wurde, setzte mit der Zeit eine sehr starke Polarisierung ein zwischen den beiden Interessengruppierungen des „Vereins Alt-Ulm“ und der „Gesellschaft 1950“. Zu „Alt-Ulm“ gehörten so klangvolle Namen wie Otto Wiegandt, Max Feuchtinger, Albrecht Rieber oder Hellmut Pflüger; in der „Gesellschaft 1950“ waren Persönlichkeiten wie Wilhelm Geyer, Otto Aicher, Kurt Fried oder Inge Scholl vertreten. Hauptstreitpunkte waren die von Guther favorisierten Traufhäuser mit 30-Grad-Dachneigung bzw. Flachdachbauten wie die einstige Sparkasse an der Neuen Straße. Demgegenüber forderte „Alt-Ulm“ eine altstadtgemäßere Giebelhausbebauung mit 60-Grad-Dachwinkel, welche wiederum von der „Gesellschaft 1950“ als zu rückschrittlich eingestuft wurde. Max Guther trat schließlich zurück und eine neue Stelle an der TU Darmstadt an. Moderne Architektur entstand dem gegenüber während der Münsterplatzdiskussionen durch Max Bill und Fred Hochstrasser auf dem Oberen Kuhberg als hfg (Hochschule für Gestaltung) mit betonsichtigen Flachdachbauten.Im Mai 1953 wurde dann endlich, unter maßgeblicher Mitwirkung des „Vereins Alt-Ulm“, ein Rahmenplan für die Münsterplatzrandbebauung beschlossen; vier Giebelhäuser sollten mit verbindenden, niedrigeren Traufbauten errichtet
werden am Westlichen Münsterplatz. Obwohl jener Plan im Juni 1953 zur Grundlage des Aufbaues wurde, zog sich dieser bis 1957 hin. Aus den verbindenden Traufhäusern wurden dann doch noch „modernere“ Flachdachbauten mit Dachterrassen. Der Ulmer Volksmund spottete über diese Kompromissarchitektur: „Gebiss mit Zahnlücken“.Doch daran mag heutzutage kaum noch ein Besucher des Weihnachtsmarktes denken. Statt Polemik und Streit um die „gute Form“ genießt man viel mehr die Vorweihnachtszeit und empfindet all die beleuchteten Giebel der Buden und Geschäftshäuser eher als friedlich-harmonisches Zusammenspiel…

Text: Uwe Heinloth

September – Das Südseitenschiff

Das Seitenschiff des Ulmer Münsters mit dem Taufbecken

Das Seitenschiff des Ulmer Münsters mit dem Taufbecken

Der Blick in das östliche Gewölbe im Südschiff des Ulmer Münsters zeigt uns in der linken Bildhälfte die Säulen des Hauptschiffes. Von den beiden, Weltgefährdung und Weltvollendung genannten Fenstern, in ein Farbspiel getaucht das an sonnigen Nachmittagen zu beobachten ist. Diese beiden neuesten, 2001 fertiggestellten Fenster hat der Künstler Johannes Schreiter geschaffen. Die gegensätzliche Farbtemperatur der Fenster schafft plastische Abstufungen vom warmen bernsteinfarbenem Licht bis hin zum nüchternen Blau. Rückreflexe vom Sonnenlicht im Hauptschiff geben unserem gotischen Bauwerk prächtige goldene Reflexe.

In der rechten unteren Bildhälfte erblicken wir den wie ein kleines Haus wirkende Taufstein von 1474 unter dem mächtigen Baldachin. Bei der Taufe erinnert uns seine dreieckige Form an den Namen des dreieinigen Gottes. Der unvollendete Turm über dem Baldachin sollte ursprünglich wie die Kanzel und das Sakramentshaus weit ins Gewölbe ragen. Das Taufbecken wird von vier Löwen getragen. Auf jeder Seite des achteckigen Steines eingemeißelt trägt eine alttestamentarische Gestalt ein Band mit einem Wort über das Wasser.

Textquellen, Links:

Ulmer Münster – Weihwasserbecken: http://www.ulmer-muenster.de/das_bauwerk/rundgang/der_taufstein.html 
Ulmer Münster – Weihwasserbecken: http://www.ulmer-muenster.de/das_bauwerk/rundgang/die_modernen_fenster.html

Wikipedia, Ulmer Münster: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Münster
Wikipedia, die Fenster des 20. Jhd: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Münster#Fenster_2

 

Neutorbrücke

Die Neutorbrücke Richtung Kienlesberg

Neutorbrücke – 1974 als Kulturdenkmal eingetragener Brückenbau wurde 1906/07 erbaut

Unter blauem Septemberhimmel glänzt der vergoldete Zierat der Neutorbrücke, alten Ulmern noch als „Gasbrücke“ wegen des einst links neben ihr liegenden städtischen Gaswerks (1857 bis 1967, heute SWU-Gebäude) bekannt. Benannt wurde die in neugotischen Formen 1906/1907 errichtete Brücke nach dem 1860 abgebrochenen Neutor, auf das die in den 1860er Jahren bei der Anlage der „Neustadt“ entstandene Neutorstraße zuführte. Die Brücke wurde zur wichtigen Verkehrsverbindung mit dem in diesen Jahren entstehenden, gartenreichen Villenviertel am Michelsberghang. Ein typisches Jugendstilhaus um 1910 ist ja auch am bergseitigen Brückenende zu erkennen. 

Die Neutorbrücke, 112 Meter lang, gut 11 Meter breit, mit einem Gewicht von 600 Tonnen, ist eine von vier neuen Brücken, welche die damalige Eisenbahnverwaltung zur Verbesserung der städtischen Verbindungswege über die Gleisanlagen errichten ließ. Insgesamt wurden zwischen 1904 und 1908 1,6 Millionen damaliger Mark aufgewendet, um die (alte, kriegszerstörte) Wallstraßenbrücke (heute Neubau), die (alte) Lupferbrücke in Söflingen beim Türmle (heute Neubau), die nach Bombentreffern wiederhergestellte Beringerbrücke über den ehemaligen Güterbahnhof und eben die abgebildete Neutorbrücke zu bauen. Allein diese verursachte Kosten in Höhe von 243.000 Mark und wurde von Reichsbahnbaurat Levi geplant. Er gestaltete optisch eine Hängebrücke mit eleganter Bogenführung, tatsächlich ist die Eisenkonstruktion aber technisch-statisch gesehen eine Krag- oder Auslegebrücke, welche auf zwei steinernen Stützen mit acht Lagern ruht. Die Spannweiten der drei Brückenteile betragen außen jeweils 28 und in der Mitte einmal 54 Meter; unter der Neutorbrücke führen nach links die Gleise zum Hauptbahnhof und in Richtung Blaubeuren, nach rechts diejenigen Richtung Aalen und bis zur Eröffnung der Neubaustrecke auch noch die Richtung Stuttgart.

erhielt nach einer Sanierung 1996 seine Ornamente wieder. Auf dem Bild sichtbar sind am Verbindungsbogen über der Straße eine goldene Krone und ein schwarz-weißes Ulmer Wappen, flankiert von filigranen Turmspitzen, die an das Münster erinnern; für 1.200 Mark wurden 775 Goldplättchen mit weichem Dachshaarpinsel aufgebracht. So erstrahlt die Brücke seither wieder in historisch-neugotischem Glanz; darin in Ulm einzigartig, wird die Neutorbrücke nach den Planungen zur neuen Straßenbahnlinie auf den Eselsberg mit einer westlich von ihr neu zu bauenden Brücke jedoch bald nicht mehr alleine sein…

Text: Uwe Heinloth