Die Neutorbrücke Richtung Kienlesberg

Neutorbrücke – 1974 als Kulturdenkmal eingetragener Brückenbau wurde 1906/07 erbaut

Unter blauem Septemberhimmel glänzt der vergoldete Zierat der Neutorbrücke, alten Ulmern noch als „Gasbrücke“ wegen des einst links neben ihr liegenden städtischen Gaswerks (1857 bis 1967, heute SWU-Gebäude) bekannt. Benannt wurde die in neugotischen Formen 1906/1907 errichtete Brücke nach dem 1860 abgebrochenen Neutor, auf das die in den 1860er Jahren bei der Anlage der „Neustadt“ entstandene Neutorstraße zuführte. Die Brücke wurde zur wichtigen Verkehrsverbindung mit dem in diesen Jahren entstehenden, gartenreichen Villenviertel am Michelsberghang. Ein typisches Jugendstilhaus um 1910 ist ja auch am bergseitigen Brückenende zu erkennen. 

Die Neutorbrücke, 112 Meter lang, gut 11 Meter breit, mit einem Gewicht von 600 Tonnen, ist eine von vier neuen Brücken, welche die damalige Eisenbahnverwaltung zur Verbesserung der städtischen Verbindungswege über die Gleisanlagen errichten ließ. Insgesamt wurden zwischen 1904 und 1908 1,6 Millionen damaliger Mark aufgewendet, um die (alte, kriegszerstörte) Wallstraßenbrücke (heute Neubau), die (alte) Lupferbrücke in Söflingen beim Türmle (heute Neubau), die nach Bombentreffern wiederhergestellte Beringerbrücke über den ehemaligen Güterbahnhof und eben die abgebildete Neutorbrücke zu bauen. Allein diese verursachte Kosten in Höhe von 243.000 Mark und wurde von Reichsbahnbaurat Levi geplant. Er gestaltete optisch eine Hängebrücke mit eleganter Bogenführung, tatsächlich ist die Eisenkonstruktion aber technisch-statisch gesehen eine Krag- oder Auslegebrücke, welche auf zwei steinernen Stützen mit acht Lagern ruht. Die Spannweiten der drei Brückenteile betragen außen jeweils 28 und in der Mitte einmal 54 Meter; unter der Neutorbrücke führen nach links die Gleise zum Hauptbahnhof und in Richtung Blaubeuren, nach rechts diejenigen Richtung Aalen und bis zur Eröffnung der Neubaustrecke auch noch die Richtung Stuttgart.

erhielt nach einer Sanierung 1996 seine Ornamente wieder. Auf dem Bild sichtbar sind am Verbindungsbogen über der Straße eine goldene Krone und ein schwarz-weißes Ulmer Wappen, flankiert von filigranen Turmspitzen, die an das Münster erinnern; für 1.200 Mark wurden 775 Goldplättchen mit weichem Dachshaarpinsel aufgebracht. So erstrahlt die Brücke seither wieder in historisch-neugotischem Glanz; darin in Ulm einzigartig, wird die Neutorbrücke nach den Planungen zur neuen Straßenbahnlinie auf den Eselsberg mit einer westlich von ihr neu zu bauenden Brücke jedoch bald nicht mehr alleine sein…

Text: Uwe Heinloth

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