Donau, Adlerbastei

Adlerbastion und Donau in Ulm

Adlerbastion und Donau in Ulm

Wie ein roter Keil schiebt sich von rechts eine Befestigungsmauer in die Donau, durch den Turm der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche überragt. Diese Befestigungsanlage wird in Ulm zwar umgangssprachlich nach einem mit Ende der Reichsstadt abgeschlagenen Reichsadlersteinrelief, das in sanierten Resten noch immer die Mauerspitze schmückt, „Adlerbastei“ genannt; jedoch handelt es sich beim abgebildeten Werk in festungstechnisch korrekter Bezeichnung aber um eine mehreckige Bastion (im Gegensatz zur „runden“ Bastei). Gegenüber der Bastionsspitze erkennt man, von Bäumen umrahmt, auf dem flussabwärts gelegenen Ende des „Schwals“, der Neu-Ulmer Donauinsel, das helle Gefallenenehrenmal von Edwin Scharff aus dem Jahre 1932. Von dieser Inselspitze legten über Jahrhunderte die „Ulmer Schachteln“ ab, Güter, Reisende und Auswanderer (Donauschwaben) flussabwärts transportierend. Jedoch bietet die abgebildete Stelle an der Donau noch mehr „Denkmal-Würdiges“.

Scheiterte doch an der Adlerbastion eine flugtechnische Pioniertat, als Albrecht Ludwig Berblinger, der einst verlachte, inzwischen längst als Gleitflieger rehabilitierte „Schneider von Ulm“, am 31. Mai 1811 von der Bastionsspitze aus in die Donau stürzte. Zwar hatte er sein von ihm entwickeltes Fluggerät erfolgreich am Abhang wohl des Michelsberges getestet; über der Donau traf er jedoch eine ganz andere, von ihm nicht berechenbare Thermik an. Statt warmer Aufwinde, die ihn an das bayerische Donauufer hinüber tragen sollten, herrschten hier kalte Fallwinde und mauerbedingte Turbulenzen, die ihn mit seinem halbstarren Hängegleiter in die Donau hinunter drückten. Es folgte nach dem fliegerischen noch der soziale Absturz.

Doch schon zweihundert Jahre zuvor ereignete sich hier ein Absturz, genauer ein Einsturz. Der reichsstädtische Rat hatte beschlossen, Ulm nach der verbesserten italienischen Bastionärbefestigungsweise neu zu bewehren; diese den Geschützen angepasste Festungsmanier sah fünfeckig konzipierte Werke mit über die Längsmauern hinausragenden Seiten und Spitzen vor – die Bastionen. Es waren gewaltige Erdaufschüttungen, mit schräg anlaufendem Mauerwerk zur Feindseite hin gesichert.

Die Wahl des neuen Festungsbaumeisters fiel dann 1604 auf den Ulmer Baumeister Gideon Bacher (1565-1619), der aus den Diensten des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach zurück nach Ulm berufen wurde. Nach einer „Weiterbildungsreise“ durch moderne europäische Festungsanlagen begann Bacher 1605 mit dem Bau seiner ersten Ulmer Bastion, der Adler-oder Spitalbastion, an der damals schwächsten Stelle der Stadtbefestigung, beim Heiliggeistspital direkt an der Donau. Schon kurz nach deren Vollendung 1608 stürzte diese jedoch, ganz ohne Feindeinwirkung, zusammen. Bei folgenden Reparaturen ergaben sich zusätzlich Differenzen mit dem Bauherrn; vom Stadtrat wurde Bacher schließlich 1615 als Festungsbaumeister endgültig entlassen.

Heute kann man auf der Adlerbastion aber, ungerührt von solchen historischen Ab-und Einstürzen, sicher lustwandeln…

Text: Uwe Heinloth.

Mai – Die Große Orgel

Die Hauptorgel im Münster, Ulm

Die Hauptorgel im Münster, Ulm

Auf unserm Maimotiv des Kalenders sehen sie die „Große Orgel“ oder „Westorgel“ auf der Hauptempore unter dem Hauptturm. Die 5 Orgeln des Ulmer Münsters ertönen zu unterschiedlichen Anlässen. Als eine der bedeutendsten Orgeln Mitteleuropas gilt unsere von 1967 – 1969, durch die Orgelfirma Eberhard Friedrich Walcker & Cie. (Ludwigsburg) erbaute Orgel. Bei der durch den Orgelsachverständigen Walter Supper betreuten Errichtung wurden Teile des Pfeiffenmaterials der alten Walker Orgel verwendet. Ihre fast 9000 Pfeifen werden über 5 Manuale und Pedal bespielt.

An Werktagen während der Reisesaison wird das Orgelkonzert um 12 Uhr gespielt. Jeden Sonntag ab 11:30. Hinweise auf Sonderkonzerte und Programm ersehen Sie im Veranstaltungskalender des Münsters.

Textquellen, Links:

Ulmer Münster: http://www.ulmer-muenster.de/das_bauwerk/rundgang/die_orgel.html

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Münster#Orgeln

 

Ansicht Ulm über die Donau

Ansicht Ulm

 

Ansicht Ulm mit Münster

Die Ansicht von Ulm mit Donau von der Eisenbahnbrücke nach Neu-Ulm aus.

Das Mai-Bild zeigt Ulms Donauufer, erst im 19. Jahrhundert durch Anschwemmung entstanden, später als Grünanlage gestaltet. Darüber türmt sich wahrlich die Stadtsilhouette auf.

Die Donaustadtmauer wurde zur Verkürzung der Verteidigungslinie 1480 in die „reißenden“ Fluten hineingebaut, sie bezog erstmals die bis dahin außerhalb der Mauern liegende Vorstadt im „Gumpen“ ein, heute Gegend der unteren Fischergasse und des Fischerplätzles. Darüber ragen die hohen Dächer der Weinhofbebauung, wo sich seit dem 9. Jahrhundert wohl die karolingische Königspfalz befunden hat. Dahinter wiederum wächst die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche, das erst 1890 vollendete Ulmer Münster, empor. So wird der linke Bildteil von den einstigen Zentren königlicher Macht, städtischer Wehrpolitik und bürgerschaftlicher Frömmigkeit beherrscht.

Am rechten Bildrand dagegen präsentiert sich mit Türmchen das Rathaus am Marktplatz, dem einst reichsstädtischen Zentrum von Handel, Gewerbe und Politik. Zunächst als Kaufhaus erbaut, besetzten immer mehr „obrigkeitliche“ Funktionen den Gebäudekomplex, der langsam zum Rathaus wurde. Allerdings war eine neuzeitlich-aufklärerische Gewaltentrennung damals noch unbekannt, weshalb, oft personell vermengt, Exekutive, Jurisdiktion und Legislative unter nur einem Dach tätig wurden. Derart kurze Wege sollen bisweilen zu nicht immer ganz unparteiischen Entscheidungen geführt haben, was die Bürgerprozesse gegen die städtische Obrigkeit im 18. Jahrhundert zeigen.

Aber die Donau konnte ja zum „Fluchtweg“ aus derartiger Politik werden; trotz gepredigter Warnungen und Auswanderungsverboten lockten günstige Konditionen wie anfängliche Steuerfreiheit und Hoffnung auf eine bessere Existenz hunderttausende „Donauschwaben“ genannte Neusiedler, auch aus Ulm, auf den Balkan. Die Donau zeigte so zwar den Weg, doch nicht die lauernden Probleme in der neuen Heimat. Und es bewahrheiteten sich die Warnungen des Rates leider nur allzu oft: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“ wurde die Zukunftsaussicht.

Text: Uwe Heinloth 

 

Ansicht Ulm über die Donau

Ansicht Ulm

 

Ansicht Ulm mit Münster

Die Ansicht von Ulm mit Donau von der Eisenbahnbrücke nach Neu-Ulm aus.

Das Mai-Bild zeigt Ulms Donauufer, erst im 19. Jahrhundert durch Anschwemmung entstanden, später als Grünanlage gestaltet. Darüber türmt sich wahrlich die Stadtsilhouette auf.

Die Donaustadtmauer wurde zur Verkürzung der Verteidigungslinie 1480 in die „reißenden“ Fluten hineingebaut, sie bezog erstmals die bis dahin außerhalb der Mauern liegende Vorstadt im „Gumpen“ ein, heute Gegend der unteren Fischergasse und des Fischerplätzles. Darüber ragen die hohen Dächer der Weinhofbebauung, wo sich seit dem 9. Jahrhundert wohl die karolingische Königspfalz befunden hat. Dahinter wiederum wächst die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche, das erst 1890 vollendete Ulmer Münster, empor. So wird der linke Bildteil von den einstigen Zentren königlicher Macht, städtischer Wehrpolitik und bürgerschaftlicher Frömmigkeit beherrscht.

Am rechten Bildrand dagegen präsentiert sich mit Türmchen das Rathaus am Marktplatz, dem einst reichsstädtischen Zentrum von Handel, Gewerbe und Politik. Zunächst als Kaufhaus erbaut, besetzten immer mehr „obrigkeitliche“ Funktionen den Gebäudekomplex, der langsam zum Rathaus wurde. Allerdings war eine neuzeitlich-aufklärerische Gewaltentrennung damals noch unbekannt, weshalb, oft personell vermengt, Exekutive, Jurisdiktion und Legislative unter nur einem Dach tätig wurden. Derart kurze Wege sollen bisweilen zu nicht immer ganz unparteiischen Entscheidungen geführt haben, was die Bürgerprozesse gegen die städtische Obrigkeit im 18. Jahrhundert zeigen.

Aber die Donau konnte ja zum „Fluchtweg“ aus derartiger Politik werden; trotz gepredigter Warnungen und Auswanderungsverboten lockten günstige Konditionen wie anfängliche Steuerfreiheit und Hoffnung auf eine bessere Existenz hunderttausende „Donauschwaben“ genannte Neusiedler, auch aus Ulm, auf den Balkan. Die Donau zeigte so zwar den Weg, doch nicht die lauernden Probleme in der neuen Heimat. Und es bewahrheiteten sich die Warnungen des Rates leider nur allzu oft: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“ wurde die Zukunftsaussicht.

Text: Uwe Heinloth

Text: Uwe Heinloth