Nabada mit Blick auf Ulm, am Ulmer Volksfest, Schwörmontag

Nabada mit Blick auf Ulm, am Ulmer Volksfest, Schwörmontag

Im Nabada mit Blick auf Ulm, am Ulmer Passend zum jährlichen Schwörmontag, dem vorletzten Montag im Juli, zeigt das Kalenderbild die festfreudige Donau mit dem un(be)schreibbaren „Nabada“ als karnevalistischem Wasserfestzug. Im Vordergrund, am Neu-Ulmer Ufer,  sind „Themenschiffe“ genannte Zillengefüge mit rosenmontagszugähnlichen Aufbauten zu sehen, dahinter füllen „wilde Nabader“ die Wasserfläche. Das Getümmel wird von zahllosen Zuschauern begutachtet.

Jedoch war die Donau beim „Hinabschwimmen“, wie man „Nabada“ übersetzen müsste, nicht immer so überfüllt. Das erste offizielle Programm eines „Schwörmontags-Na-Bada“ führt nur acht Wasserfestzugsnummern auf. Demnach trieben am Schörmontag, 8. August 1927 ab 17 Uhr zuerst Mitglieder des Ruderclubs „Donau“ flussabwärts, gefolgt vom Wassergott Danubius mit Iller, Blau und Nixen. Es trat auch eine „Ulmer Hafen-Marine-Kapelle“ auf, und pantomimisch dargestellt war die „Brautwerbung auf der Donaubrücke“, wobei wohl die beiden Donaunachbarstädte wie einst die beiden Königskinder „zusammen nicht kommen“ konnten, eine humoristische Spitze gegen immer wieder auftauchende Vereinigungsbestrebungen.

Politisch schon direkter war das Nabada 1938. Kurz nach dem Anschluss Österreichs als Ostmark an Hitlers Reich nahmen auf einem Schiff bejubelte „Wiener Waschmadeln“ am Umzug teil. Kaum zu glauben, dass das Ulmer Nabada sogar einen Protest der damaligen abessinischen Gesandtschaft in Berlin hervorgerufen haben soll im Jahre 1935. Dies, weil auf der Donau in Höhe des Schwals eine „Seeschlacht“ entbrannte, bei der laut gleichgeschalteter Lokalpresse die Vertreter der „weißen Rasse“ natürlich über die „Wilden“ siegten. Unter „Wilde“ waren damals Nichtarische wie eben Abessinier, Neger und Indianer zu verstehen, in welche sich Nabader verkleidet hatten. Kurz vor dem dann tatsächlich erfolgten Einmarsch des faschistischen Italiens in Abessinien war dieser ideologische Programmpunkt des Nabada nicht nur aktuell, sondern sogar brisant!

Die als Vorläufer des Nabada zu bezeichnenden Wasserbelustigungen waren dagegen weitaus weniger politisch. Seit mindestens 1678 ist der Brauch des „Bäuerlein-Herunterfahrens“ auf der Donau überliefert, der sich im Laufe des 18. Jahrhunderts mit dem reichsstädtischen Schwörtag verband. Mit Klamauk und Gespritze fuhren hierbei die Hauptfiguren des Fischerstechens wie „Bauer und Bäure“ auf Zillen die Donau hinunter; so machten es auch vor den Sommerferien die Ulmer Lateinschüler des Gymnasiums auf dem Münsterplatz. Als statt des Steinhäules die Friedrichsau zum beliebten Erholungsort avanciert war, entstanden die von den „Au-Gesellschaften“ veranstalteten „Wasserfahrten“ donauabwärts zu den Vereinslokalen. Diese hatten zunächst aber nichts mit dem Schwörmontag zu tun, sondern wurden den ganzen Sommer über ausflugsmäßig gefeiert. Bis dann ab 1861 die „Hundskomödie“, älteste Augesellschaft und Sammelbecken Ulmer Honoratioren, ihre Fahrten mit dem Schwörmontagsbrauchtum verband. Dann organisierten spätestens ab 1911 die Schwimmer der Ulmer Turnvereine „lustige Hinunterschwimmen auf der Donau“; schließlich ging das ganze, als Nabada kreiert, in die planenden Hände des nachkriegszeitlichen städtischen Verkehrsamtes mit infrastruktureller Unterstützung des Hauptamtes der Stadt Ulm über.

Seit 1975 gibt es für den vom Publikum gekürten besten Beitrag sogar einen Wanderpokal, der inzwischen als „Kübele“ designt ist. Doch leider sieht man heutzutage vor lauter Ferieninseln, Autoreifen und Luftmatratzen kaum noch diese uranfänglichen Nabada-Fahrzeuge, in denen sich einst sogar Oberbürgermeister Dr. Lorenser auf die Donau begab – eben jene Kübele, also Waschzuber für schwäbische Sauberkeit auch beim Nabada…

 

Text: Uwe Heinloth

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