Die Kunsthalle Weishaupt in Ulm

Die Kunsthalle Weishaupt in Ulm

Der März präsentiert einen wahrhaft glänzenden Höhepunkt der „Neuen Mitte“ Ulms, die Kunsthalle Weishaupt mit ihrer leuchtenden Westfassade zum Hans- und Sophie-Scholl-Platz. Dieter Bartetzko, Architekturkritiker der FAZ, rühmte: „Die Weishauptkunsthalle : ein Großbau, der sich der Kunst unterwirft und doch die neue Mitte nachhaltig prägt.“ 

Geplant wurde das moderne Gebäude für die Privatsammlung der Unternehmerfamilie Weishaupt als Kunsthalle von Wolfram Wöhr (* 1956), der von 1985 bis 1990 Mitarbeiter im Büro Richard Meiers (New York) war; als solcher wirkte Wöhr schon beim Bau des Ulmer Stadthauses auf dem Münsterplatz und beim Bau des Tagungszentrums „Weishaupt-Forum“ am Stammsitz der Firma Weishaupt in Schwendi mit, beides Entwürfe von Meier.Auf dem knapp 1.600 Quadratmeter großen Grundstück in der ehemaligen Neuen Straße konzipierte Wöhr ein dreigliedriges Gebäude aus verschieden geformten Kuben. Die eigentlichen Ausstellungshallen für die Exponate der Kunstsammlung Weishaupt bilden einen rechteckigen Quader im Norden des Gebäudekomplexes, mit der abgebildeten Fassade, die selbst schon ein Kunstwerk präsentiert. Südlich davon fügt sich die langgezogene Erschließungsachse der Ausstellungsräume ein als Treppenhaus rechts im Bild, während den östlichen Abschluss ein Verwaltungs- und Depotturm mit „Eiswürfelfassade“ zum Skulpturengarten hin dominiert (im Bild verdeckt).Das gläserne Erdgeschoss mit gastronomisch-gewerblicher und Eingangsfoyer-Nutzung lässt den Bau wie schwebend leicht erscheinen. Insgesamt drückt die Architektur Wöhrs mit unterschiedlichen Baumaterialien die künstlerischen Gegensätze von Öffnung (Glas) und Verschließen (Kalksteinnordfassade, vertikale Steinstreifung des südlichen Treppenhauses), von Verklammerungen (sich verzahnende Kuben) und Kontrasten (diverse Bauglieder) aus. Zum rechten Bildrand hin, wo sich gegenüber der modernen Kunsthalle das Ulmer Museum südlich der Neuen Straße erstreckt, überspannt der einst umstrittene gläserne Museumssteg die Fahrbahnen, so alte und neue Kunst sichtbar verbindend.

Grundsteinlegung der Kunsthalle Weishaupt war am 6. Juni 2005, die Eröffnung fand unter großem Andrang am 24. November 2007 statt. Der Bau mit Gesamtkosten von etwa 10 Millionen Euro weist gegenüber dem Rathaus Ulms größten „Wechselbildrahmen“ als leuchtende Einladung zum Besuch der jährlich thematisch wechselnden Exponatpräsentation auf, mit 16 mal 16 Meter Größe ein wirkungsvoller optischer Anziehungspunkt für die dahinter zu erwartende, jahrzehntelang vom Sammlerehepaar Weishaupt aufgebaute Sammlung moderner deutscher, europäischer und US-amerikanischer Kunst. Die Kunsthalle ist ein bezwingendes Beispiel für neuzeitliches, privates Mäzenatentum auf umgewidmeter Verkehrsfläche als einstiger „Narbe“ im wiederaufgebauten Stadtbild.

Text: Uwe Heinloth

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