Der Glacis Park im Winter, Carponiere 6

Der Glacis Park im Winter, Carponiere 6

In friedlichem Kontrast von roten Ziegelmauern, verschneitem Weg und immergrünem Bewuchs verklärt die abgebildete Bundesfestungspartie im Neu-Ulmer Glacis ihren einstigen militärischen Zweck.

Nach langem Dornröschenschlaf erwachte das Glacis, flach zur Feindseite auslaufendes Schussfeld der Festung, als Neu-Ulmer Stadtpark im Rahmen der Landesgartenschau 1980. Noch heute ist der Glacispark ein sehr gut erhaltenes Zeugnis europäischer Festungsbaukunst des 19. Jahrhunderts.

Mit dem 1841 genehmigten Antrag, Ulm und das eben erst aufkeimende Neu-Ulm zur Festung des Deutschen Bundes auszubauen, schlug auch die Geburtsstunde des abgebildeten Tores. In gediegenem Klassizismus aus Ziegelsteinen fand die bayerische Festungsbaukommission einen mehrfach umgeplanten, eigenen Weg der Fortifikationsarchitektur gegenüber Ulms Festungsteil aus Jurastein.

Wir befinden uns auf dem Bild zwischen unsichtbarem Wall rechts der Toranlage und der feindseitigen, am Schatten ablesbaren Escarpenmauer zum Glacis links. Das Tor war kein öffentliches Stadttor, sondern ein dem Feindesblick durch die über das Tor (wie ja der Schatten zeigt) hinaus verlängerte Mauer entzogenes Ausfall- oder Rückzugstor. Dem Durchgang gegenüber, nur einen engen Ausfallweg nach links zum Graben freilassend, schützt eine „Flankenbatterie“ mit Scharte in bewachsener Mauer frontal das Tor. Ein bis dahin womöglich eingedrungener Feind hätte an dieser Stelle also sowohl Feuer aus der Torbefestigung, als auch Rückenfeuer aus der Flankenbatterie erhalten. Kurz, er wäre schussmäßig in die Zange genommen und dadurch am Eindringen gehindert worden. Diese „Zange“ begründete auch den festungsbautechnischen Ausdruck „en tenaille“, nach dem die hier teilabgebildete Westflanke der „Caponniere“ 6, die sozusagen in unserem Rücken ist, errichtet wurde. Diese Caponniere kriecht als „Grabenstreiche“ bis heute, in der Mitte des Glacisparks, weit ins Festungsvorfeld hinaus, jetzt allerdings von friedlichen Erholungsanlagen gesäumt.

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