Auf der Stadtmauer mit Blick auf den Metzgerturm

Auf der Stadtmauer mit Blick auf den Metzgerturm

Das Junibild zeigt „die Stadtmauer“, womit der Ulmer stets trotz Alternativen, beispielsweise entlang der Heimstraße oder beim Weinhof oberhalb der Schwörhausgasse, immer nur die Donaustadtmauer meint; abgebildet ist hier ein Abschnitt  in der Nähe des Metzgerturms. Im Vordergrund weitet der Mauerweg sich nach rechts zu einem Aussichtsplätzchen mit schönem Längsblick auf die Stadtmauer donauabwärts.

Neben dem pittoresken Metzgerturm in seiner Schieflage leuchtet als Zielpunkt des Mauerweges hell die Gebäudegruppe des einstigen Kaufhauses Maurer an der Herdbruckerstraße, zwischen 1894 und 1910 erbaut und erweitert. Das heutige Grün überspielt den ehemaligen Festungscharakter der abgebildeten Stadtmauerpartie. Diese spätmittelalterliche Donaubefestigung ersetzte die ältere, am einstigen Donauufer entlang verlaufende Vorgängermauer, die etwa neun Meter hoch und zwei Meter dick war; Reste sind noch heute hinter der „Krone“ in der Gasse „Unter der Metzig“ zu sehen. Die Häuser am linken Bildrand stehen auf den Fundamenten dieses ab der Stauferzeit angelegten Mauerzuges, zu dem  auch der Metzgerturm gehört, einst bloßer Zugang zur Metzig, dem reichsstädtischen Schlachthaus am alten Donauufer.

1480 aber wurde, so berichtet der Chronist Felix Fabri, nun vor diese alte Mauer die neue, abgebildete Doppelmauer mit unterem, noch erhaltenem, und einstigem oberen Wehrgang „im reißendsten Fluss“, also in die damalige Donauströmung hinein, gebaut. Fabri beschreibt den Sinn der neuen, „zehn gemeine Füße in der Dicke“ (etwa drei Meter) messenden Mauer zwischen heutiger Wilhelmshöhe und Herdbrücke nicht nur mit Verteidigungszwecken. Die neue Mauer, welche die Donaulinie der Festung abkürzte, diente auch als Anlegemauer für Schiffe, als Trennung vom Wasser der Donau und neu angelegter Metzgerblau – sowie als Hochwasserschutz; die Metzgerblau wurde hinter der neuen Stadtmauer, also links im Bild, als Schwemmkanal für die Metzig entlanggeführt, aber 1930 als Gartengelände trockengelegt. Allerdings konnten die spätmittelalterlichen Ulmer noch nicht den abgebildeten Mauerweg zum Promenieren nutzen, da dieser erst duch die napoleonische Schleifung der Festungsanlagen aus dem einstigen oberen Wehrgang, dessen Schießschartenmauer abgetragen wurde, entstand. Ebenso beseitigte man im Zug dieser Koalitionskriege den stolze 38 Meter aufragenden „Dicken Turm“, von dem nur noch der Sockel erhalten ist – eben jene Aussichtsplattform im Bildvordergrund.

Das rechts zur Donau hin gelegene Grünland Ulms nicht immer „unproblematisches“ Festwiesle, entstand erst im 19. Jahrhundert durch angespülten Sand und Kies. Zunächst aber war dieser Naherholungsbereich eine Art „Hinterhof“ der Stadt, wo man Wäsche trocknete, Kies verarbeitete, und bestenfalls in den hölzernen „Schwimmanstalten“, die als Badehäuschen mit Bodenöffnung zum Donauwasser am Ufer festlagen, ein wenig säubernde Freizeitbeschäftigung betreiben konnte.

Wenn im Rahmen der Blauaufwertung als „längster Ulmer Landschaftspark“ auch die innerstädtische „Metzgerblau“ dereinst wieder in ihr angestammtes Bett zurückkehren darf, kann man auf der abgebildeten Stadtmauerpartie im Grünen wandeln zwischen den Wassern von Ulm…

Text: Uwe Heinloth

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