Juni – Das Chorgestühl

Das Chorgestühl des Ulmer Münsters

Das Chorgestühl des Ulmer Münsters

Der Söflinger Jörg Syrlin fertigte das imposante Chorgestühl in den Jahren 1469 bis 1474 aus dunklem Eichenholz. Daß wir dieses Kunstwerk mit seiner vielschichtigen Symbolik heute noch erleben dürfen liegt daran, daß die Ulmer Patrizierfamilien das Gestühl während des Bildersturms bewachen ließen. Es war zu dieser Zeit erst wenige Jahrzehnte alt und die Familien wussten noch sehr genau was das Gestühl ursprünglich gekostet hat.

Die lebensgroßen Büsten, die der begnadete Bildschnitzer Michel Erhart geschaffen hat, stellen auf der Frauenseite Seherinnen (sog. „Sibyllen“) dar, die an verschiedenen Orakelstätten der Antike geweissagt haben. Zur Linken begegnen wir auf Augenhöhe Forschern, Philosophen und Schriftstellern ebenfalls aus vorchristlicher Zeit. Über den Büsten finden sich in der Rückwand Gestalten des Alten Testaments, darüber in den Spitzgiebeln Frauen und Männer des Neuen Testaments und der frühen Kirche.

Textquellen, Links:

Ulmer Münster: http://www.ulmer-muenster.de/das_bauwerk/rundgang/das_chorgestuehl.html 

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Münster

 

Kloster Wiblingen – Für Ulm ungewöhnliche Barockpracht

Kloster Wiblingen – Für Ulm ungewöhnliche Barockpracht

Kloster Wiblingen - Für Ulm ungewöhnliche Barockpracht

Kloster Wiblingen – Für Ulm ungewöhnliche Barockpracht

Für Ulm ungewöhnliche Barockpracht unterstreicht die konfessionelle Grenzüberschreitung ins katholisch geprägte Oberschwaben nach Wiblingen, seit 1927 zu Ulm eingemeindet und heute jenseits von Iller und Weihung Vorposten zum „Himmelreich des Barock“.

In „Guibelinga“ hatten die Illergaugrafen Hartmann und Otto von Kirchberg ein reformbenediktinisches Kloster gegründet, dessen Gebäude 1093 geweiht und von Mönchen aus St. Blasien bezogen wurden. Ab 1714 ging man schrittweise an den schon lange geplanten Neubau der immer wieder stückchenweise modernisierten Klosteranlage; den 1702 von den Fuggern unabhängig und (vorder-)österreichischer Landstand gewordenen Konvent erfasste der zeitübliche „Bauwurmb“. Mit der Berufung Johann Michael Fischers 1750 sicherte sich Abt Meinrad Hamberger beste Architektur, galt der zeitgleich auch in Zwiefalten und Ottobeuren an seinen berühmteren Kirchenbauten arbeitende Münchner Barockbaumeister doch als eine der führenden Kräfte des süddeutsch-bairischen Barock. Fischer baute in Fortsetzung des Wiedemann’schen Nordtraktes seinen Ostflügel der Klosteranlage, der wichtige Konventsräume enthielt. Bis 1762 war der abgebildete Höhepunkt, der polygonale, den Kapitelsaal aufnehmende Mittelpavillon fertig geworden, barocke Selbstdarstellung in Richtung Ulm. Mit plastischen Voluten, Schweifgiebel vor dem Mansarddach und kräftigen, in Rokokokapitellen ausklingenden Pilastern schuf Fischer ein leider wenig bekanntes Kleinod.

Bundesfestung Ulm, südwestliche Anschlusslinie zur Wilhelmsburg

Bundesfestung, südwestliche Anschlusslinie zur Wilhelmsburg

 
Aussenansicht der Wilhelmsburg, Werk XII des Gesamtkomplexes der Bundesfestung Ulm

Aussenansicht der Wilhelmsburg, Werk XII des Gesamtkomplexes der Bundesfestung Ulm

Vom neuzeitlichen Fussgängerbrückle über den Festungsgraben geht der Blick hoch zum Michelsberg, der von der einstigen Zitadelle „Wilhelmsburg“, dem Reduit der gesamten Bundesfestungsanlage, gekrönt wird. Auf die südwestliche Ecke der als verteidigungsfähige „Defensivkaserne“ ausgebauten Wilhelmsburg, im Bildzentrum hell aufleuchtend, führt das am Berghang nur als trockener Graben anlegbare Sturmhindernis für Feinde. Diese hätten vom linken Bildrand her aus dem Ruhetal angegriffen; da ihnen kein Wassergraben wie zum Beispiel im flachen Neu-Ulmer Glacis entgegengesetzt werden konnte, musste die Außenwand des Grabens, die „Contrescarpe“, aufgemauert werden als zusätzliche Sicherung vor Eindringlingen. Mit insgesamt 350 Metern Länge überwindet die abgebildete Südwestflankenbefestigung des Michelsberges siebzig Höhenmeter, eine technische Meisterleistung der damaligen Festungsbaukunst.

Eigentlicher Wehrbau ist die auf der rechten Bildhälfte sichtbare Kalksteinmauer, die innere Grabenwand als „Escarpenmauer“ bildend. Auf dem unteren Mauerteil, hinter dem der natürliche Erdboden liegt, sitzt der obere Mauerteil mit horizontalen Schießscharten auf. Es handelt sich also um eine „crenelierte“ Mauer mit „Maulscharten“, die deutlich sichtbar sind; dahinter verläuft ein heute wieder begehbarer Wehrgang für die einstigen Verteidiger, der „Rondengang“. Darüber ragen die Bäume auf dem Erdwall der Festung auf. Den Laubbäumen der „Freundseite“
entsprechen auf der „Feindseite“ die durch Nadelwuchs ganzjährig Tarnung bietenden dunklen Schwarzkiefern, die eigens im aufgeschütteten Vorgelände des Grabens, dem „Glacis“, von der damaligen „Geniedirektion“ der Bundesfestung angepflanzt wurden (linker Bildrand).

Am rechten Bildrand ist in der Escarpenmauer ein Absatz erkennbar. Hier wird die Mauer etwas höher und knickt leicht nach rechts ab, bildet also mitten in der Bergfront einen ausspringenden Winkel. Hinter dieser Spitze verbirgt sich, bis heute erhalten, die „Bonnetkasematte“, welche den Rondengang mit Gewehrfeuer seitlich bestreichen konnte und damit ein weiteres Vorgehen bereits hinter die Mauer eingedrungener Feinde verhindern sollte. Nicht auf dem Bild sichtbar ist die hinter der Bonnetkasematte unter dem Wall liegende „Wurfbatterie“ mit ihren großen
Mörseröffnungen für Steilbeschuss des Glacis.

Dieser Festungsteil am Brückle kann heute gefahrlos beim Spaziergang von der Straße „Beim Alten Fritz“ in Höhe Einmündung Kernerstraße ins Ruhetal hinüber besichtigt werden. Dies ist dem Einsatz des Förderkreises Bundesfestung Ulm zu verdanken, der in den 1990er Jahren mit Erhaltungsmaßnahmen und der Rodung des Grabens hier ein vollständig erhaltenes Stück Bundesfestung wieder ins Bewusstsein brachte. Es lohnt sich, die abgebildete Anschlusslinie, erbaut in den Jahren 1843 bis 1852 duch den Königlich Württembergischen Oberleutnant von Hügel, im Original zu bestaunen!

Text: Uwe Heinloth

 

[flagallery gid=1 skin=afflux_jn]

Auf der Stadtmauer –

Auf der Stadtmauer mit Blick auf den Metzgerturm

Auf der Stadtmauer mit Blick auf den Metzgerturm

Das Junibild zeigt „die Stadtmauer“, womit der Ulmer stets trotz Alternativen, beispielsweise entlang der Heimstraße oder beim Weinhof oberhalb der Schwörhausgasse, immer nur die Donaustadtmauer meint; abgebildet ist hier ein Abschnitt  in der Nähe des Metzgerturms. Im Vordergrund weitet der Mauerweg sich nach rechts zu einem Aussichtsplätzchen mit schönem Längsblick auf die Stadtmauer donauabwärts.

Neben dem pittoresken Metzgerturm in seiner Schieflage leuchtet als Zielpunkt des Mauerweges hell die Gebäudegruppe des einstigen Kaufhauses Maurer an der Herdbruckerstraße, zwischen 1894 und 1910 erbaut und erweitert. Das heutige Grün überspielt den ehemaligen Festungscharakter der abgebildeten Stadtmauerpartie. Diese spätmittelalterliche Donaubefestigung ersetzte die ältere, am einstigen Donauufer entlang verlaufende Vorgängermauer, die etwa neun Meter hoch und zwei Meter dick war; Reste sind noch heute hinter der „Krone“ in der Gasse „Unter der Metzig“ zu sehen. Die Häuser am linken Bildrand stehen auf den Fundamenten dieses ab der Stauferzeit angelegten Mauerzuges, zu dem  auch der Metzgerturm gehört, einst bloßer Zugang zur Metzig, dem reichsstädtischen Schlachthaus am alten Donauufer.

1480 aber wurde, so berichtet der Chronist Felix Fabri, nun vor diese alte Mauer die neue, abgebildete Doppelmauer mit unterem, noch erhaltenem, und einstigem oberen Wehrgang „im reißendsten Fluss“, also in die damalige Donauströmung hinein, gebaut. Fabri beschreibt den Sinn der neuen, „zehn gemeine Füße in der Dicke“ (etwa drei Meter) messenden Mauer zwischen heutiger Wilhelmshöhe und Herdbrücke nicht nur mit Verteidigungszwecken. Die neue Mauer, welche die Donaulinie der Festung abkürzte, diente auch als Anlegemauer für Schiffe, als Trennung vom Wasser der Donau und neu angelegter Metzgerblau – sowie als Hochwasserschutz; die Metzgerblau wurde hinter der neuen Stadtmauer, also links im Bild, als Schwemmkanal für die Metzig entlanggeführt, aber 1930 als Gartengelände trockengelegt. Allerdings konnten die spätmittelalterlichen Ulmer noch nicht den abgebildeten Mauerweg zum Promenieren nutzen, da dieser erst duch die napoleonische Schleifung der Festungsanlagen aus dem einstigen oberen Wehrgang, dessen Schießschartenmauer abgetragen wurde, entstand. Ebenso beseitigte man im Zug dieser Koalitionskriege den stolze 38 Meter aufragenden „Dicken Turm“, von dem nur noch der Sockel erhalten ist – eben jene Aussichtsplattform im Bildvordergrund.

Das rechts zur Donau hin gelegene Grünland Ulms nicht immer „unproblematisches“ Festwiesle, entstand erst im 19. Jahrhundert durch angespülten Sand und Kies. Zunächst aber war dieser Naherholungsbereich eine Art „Hinterhof“ der Stadt, wo man Wäsche trocknete, Kies verarbeitete, und bestenfalls in den hölzernen „Schwimmanstalten“, die als Badehäuschen mit Bodenöffnung zum Donauwasser am Ufer festlagen, ein wenig säubernde Freizeitbeschäftigung betreiben konnte.

Wenn im Rahmen der Blauaufwertung als „längster Ulmer Landschaftspark“ auch die innerstädtische „Metzgerblau“ dereinst wieder in ihr angestammtes Bett zurückkehren darf, kann man auf der abgebildeten Stadtmauerpartie im Grünen wandeln zwischen den Wassern von Ulm…

Text: Uwe Heinloth