August – Ein Münsterbaumeister trägt die Last

Ein Münsterbaumeister trägt die Last

Ein Münsterbaumeister trägt die Last, Konsole Südpfeilerreihe

Wir befinden uns im Mittelschiff und blicken gegenüber der Kanzel auf eine Konsole der Südpfeilerreihe. Unter der Konsole befindet sich eine ins Mittelschiff schauende, kauernde Männerfigur die ganze Last des Münsters tragen zu wollen scheint. Das ihm das zu gelingen vermag liegt an der filigran wirkenden Linienführung der gotischen Strukturen. Sie streben himmelwärts. Unterstützt wird diese Richtungsweisung durch den auf der Konsole befindlichen Apostel Paulus welcher die Hand nach oben reckt. An der Mittelsäule vorbei sehen wir im südlichen Seitenschiff die Linienführung vom Lichteinfall der Seitenfenster modelliert.

Textquellen, Links:

Ulmer Münster: http://www.ulmer-muenster.de/das_bauwerk/rundgang/die_pfeilerkonsolen.html

Wikipedia, Ulmer Münster: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Münster

 

Den Kalender bestellen: http://www.ulm-kalender.de/bestellen/kalender-2015/

 

 

 

 

 

Fischerviertel, Fischerplätzle

Fischerplätzle, Fachwerkhaus, Ulm

Hausanschicht eines Fachwerkhauses am Fischerplätzle

Romantik pur zeigt das Augustbild mit der Ostfassade des „Schönen Hauses“ am Fischerplätzle.

Ein wohl bis ins Mittelalter zurückreichendes, 1616 aber neu erbautes Haus einer alt-ulmischen Schiffbaumeisterfamilie prunkt seit der Sanierung mit freigelegtem Fachwerk. Originalgetreu präsentiert sich wieder die graue Balkenfassung mit plastisch wirkender Randbemalung der Gefache, dem „Beistrich“; die Entstehungszeit in Spätrenaissance oder Frühbarock führt das Fachwerk mit eingezapfter Bautechnik, dem Verzierungsmotiv des „Andreaskreuzes“ (links oben) und den nur geringen Giebelvorkragungen, die an der abgebildeten Fassade ganz fehlen, vor Augen.

Nicht für die Öffentlichkeit sichtbar sind dagegen die Privaträume des Hauses, zumindest im Erdgeschoss hinter der hier noch bewachsenen Wand gut erhalten. Im winkelförmig angelegten Flur finden sich Kostbarkeiten handwerksbürgerlicher Repräsentation wie etwa Hausbrunnen, Kontorraum, farbig gefasste Wandhalbsäulen, dazu historische Gegenstände aus dem Alltag von Meistern der Fischer- und Schifferzunft.

Zu sehen sind die beiden östlichen, alten, vom Fischerplätzle her Einlass bietenden Haustüren des „Schönen Hauses“ nebst einem Gassensperrhaken zwischen Regenrinne und vergittertem Fenster links davon. Während zur höher eingebauten Türe mehrere Stufen führen, ist die tiefer angebrachte linke Türe schneller erreichbar. Diese zwei Türen sind womöglich bedingt durch das Prinzip „form follows function“. Die höher gelegene Türe bietet mehr Schutz vor einflutendem Donauhochwasser, weswegen sie zu den Arbeits- und Wohnräumen führt. Die bodennähere Türe links soll dereinst den tierischen Mitbewohnern als einfacherer Zugang gedient haben. Zum gründlichen Ausmisten dieses Wohnbereiches war Hochwasser als Helfer hier jedoch offensichtlich erwünscht. Ein Augias-Stall mitten in Ulm! Ob aber das „Schöne Haus“ nun wegen dieser Reinlichkeit oder wegen des Fassadendesigns oder gar wegen eines auffälligen Mangels an rechten Winkeln in den Innenräumen so heißt, sei einmal dahingestellt…

Text: Uwe Heinloth

 

Fischerviertel, Fischerplätzle

Fischerplätzle, Fachwerkhaus, Ulm

Hausanschicht eines Fachwerkhauses am Fischerplätzle

Romantik pur zeigt das Augustbild mit der Ostfassade des „Schönen Hauses“ am Fischerplätzle.

Ein wohl bis ins Mittelalter zurückreichendes, 1616 aber neu erbautes Haus einer alt-ulmischen Schiffbaumeisterfamilie prunkt seit der Sanierung mit freigelegtem Fachwerk. Originalgetreu präsentiert sich wieder die graue Balkenfassung mit plastisch wirkender Randbemalung der Gefache, dem „Beistrich“; die Entstehungszeit in Spätrenaissance oder Frühbarock führt das Fachwerk mit eingezapfter Bautechnik, dem Verzierungsmotiv des „Andreaskreuzes“ (links oben) und den nur geringen Giebelvorkragungen, die an der abgebildeten Fassade ganz fehlen, vor Augen.

Nicht für die Öffentlichkeit sichtbar sind dagegen die Privaträume des Hauses, zumindest im Erdgeschoss hinter der hier noch bewachsenen Wand gut erhalten. Im winkelförmig angelegten Flur finden sich Kostbarkeiten handwerksbürgerlicher Repräsentation wie etwa Hausbrunnen, Kontorraum, farbig gefasste Wandhalbsäulen, dazu historische Gegenstände aus dem Alltag von Meistern der Fischer- und Schifferzunft.

Zu sehen sind die beiden östlichen, alten, vom Fischerplätzle her Einlass bietenden Haustüren des „Schönen Hauses“ nebst einem Gassensperrhaken zwischen Regenrinne und vergittertem Fenster links davon. Während zur höher eingebauten Türe mehrere Stufen führen, ist die tiefer angebrachte linke Türe schneller erreichbar. Diese zwei Türen sind womöglich bedingt durch das Prinzip „form follows function“. Die höher gelegene Türe bietet mehr Schutz vor einflutendem Donauhochwasser, weswegen sie zu den Arbeits- und Wohnräumen führt. Die bodennähere Türe links soll dereinst den tierischen Mitbewohnern als einfacherer Zugang gedient haben. Zum gründlichen Ausmisten dieses Wohnbereiches war Hochwasser als Helfer hier jedoch offensichtlich erwünscht. Ein Augias-Stall mitten in Ulm! Ob aber das „Schöne Haus“ nun wegen dieser Reinlichkeit oder wegen des Fassadendesigns oder gar wegen eines auffälligen Mangels an rechten Winkeln in den Innenräumen so heißt, sei einmal dahingestellt…

Text: Uwe Heinloth

 

Fischerviertel, Gasthaus Wilder Mann

Fischerviertel, Gasthaus Wilder Mann

Gasthaus zum Wilden Mann im Ulmer Fischerviertel

Mit leuchtender Giebelfassade im Kontrast von roten Schmuckelementen der Fenstergiebelchen und Eckpilaster in Bosseneinteilung mit dem hellen Wandputz erhebt sich ein altes Ulmer Gasthaus am Beginn der Fischergasse, Ecke Schwilmengasse – der „Wilde Mann“.

Schon 1615 wird dieser als Zapfwirtschaft erwähnt, die sich zur 1636 genannten offenen Herberge entwickelte. Der damalige Wirt Baumbach hatte nun Ställe für fünf Pferde samt ordnungsgemäßen Betten einzurichten. 1716 war der „Wilde Mann“ Weinwirtschaft und hatte das Recht, eine Branntweinbrennerei zu betreiben. In diesem wahrhaft geistig anregenden Milieu befand sich 1786 die Ulmer Herberge für Schneidermeister. Allerdings kann die heute so genannte „Schneiderstube“, an Albrecht Ludwig Berblinger erinnernd, kaum die von flugträumerischen Gedanken
des Schneiders von Ulm erfüllte Wirtsstube gewesen sein. Denn das alte Gebäude aus dem 17. Jahrhundert wurde 1878 so umgebaut, dass aus den drei einstigen niederen Stockwerken zwei neue höhere entstanden; dazu kam dann noch die heutige gründerzeitliche Putzfassade ans alte Haus. Sicher aber stellten einst dort die reitenden (Post-)Boten von Krumbach, Laupheim, Schwendi und Öpfingen ihre Pferde ein.

Während die an der Hausecke angebrachte Figur eines Wilden Mannes nicht mehr die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangene Originalfigur ist, gab es im November 1918 nebenan, im vom Baum verdeckten Haus „Hohentwiel“, echte wilde Männer. In der damaligen Nachbargaststätte wurde während dieser Revolution der Ulmer „Arbeiter- und Soldatenrat“ gegründet, worüber sich der Chronist der konservativen Ulmer Bilderchronik erhitzte: „Es ist ein entsetzliches Bild, das die durch die Straßen lümmelnden Angehörigen der früheren stolzen deutschen Wehrmacht bieten.“

Erhabener fände besagter Chronist sicher die vor dem „Wilden Mann“ am Eingang zum Fischerviertel aufgestellten drei Stelen des oberschwäbischen Bildhauers Axel F. Otterbach, in der linken unteren Bildecke erkennbar. Sie ergeben städtebaulich ein „Tor“ ins Viertel der Ulmer „Räsen“, an diese Urbewohner des Fischer- und Gerberviertels erinnernd; zeigen doch die drei hochrechteckigen Stelen aus kostbarem Carrara-Marmor, ein von Otterbach bevorzugtes Material, in lichtdurchströmten Negativformen, den Stein transparent werden lassend, einen Fisch, ein Schabeisen zur Fellbearbeitung sowie ein Stechruder oder Floßstock. Mit der Gestaltung von Reminiszenzen an die einst im Fischerviertel Arbeitenden gewann der Künstler 1987 den ausgeschriebenen Wettbewerb für Kunst im öffentlichen Raum an dieser Stelle; seither grüßen der Fischer-, der Gerber- und der Flößerstein zum „Wilden Mann“ hinüber. Und wilde Männer gab es ja auch unter den Räsen…

Text: Uwe Heinloth

Seelgraben, Seelturm

Seelgraben mit Zundeltor und abschliessenden Seelturm

Idyllischer Seelengraben mit abschließendem Seelturm als Bestandteil der alten Ulmer Stadtmauer

Den idyllischen Seelengraben mit abschließendem Seelturm zeigt das Augustbild und demonstriert damit wieder einmal, dass die kleinen „Grabenhäuschen“ links im Bild keineswegs in einem, sondern ulmtypisch auf einem Graben stehen – nämlich oberhalb des einstigen Stadtgrabens links hinter ihnen, der heutigen unteren Heimstraße. 

Der letzte erhaltene mittelalterliche Wehrturm der nördlichen Stadtbefestigung bildet als „Seelturm“ den Abschluss des Festungswalles. Er zeichnet sich, oberhalb des erst 1897 in seiner heutigen Form durch die Stadtmauer gebrochenen „Zundeltores“ (im Bild nicht sichtbar, benannt wohl nach der einstigen Zündholzfabrik Kuhn nebenan) frei stehend, durch seinen erhaltenen, mit Zwischengeschoss als abgetreppte Turmpyramide gestalteten spätgotischen Dachstuhl aus.
Ursprünglich besaß der Seelturm zur Stadtseite hin einen großen offenen Bogen, dessen zugemauerte Ziegellagen noch heute erkennbar sind; nur die Seitenwände des Turmes und seine Feindseite bestanden aus dicken Mauerschalen. Ein solcher, typisch mittelalterlicher „Schalenturm“ verhinderte durch die Öffnung zur Stadt ein Festsetzen der Feinde im Turm, konnte man diese doch durch die Bogenöffnung unter Beschuss nehmen. Ab 1610 errichtete die Reichsstadt auf der zum Geschützwall umgebauten alten Doppelstadtmauer „Losamenter“ Unterkünfte für das erste stehende Heer Ulmer Stadtsoldaten, den „Garnisönern“. Bis 1632 entstanden so auf der nördlichen und westlichen Stadtbefestigung insgesamt 198 Wohnhäuschen, welche 1805 in der bayerischen Zeit Ulms zum Vorzugspreis von 200 Gulden meist an ihre Bewohner, die ehemaligen Stadtsoldaten, verkauft wurden – samt verbrieftem Erbbaurecht und Gärtlein vor dem Haus.Doch nicht nach den dadurch erfreuten „Seelen“ seliger Garnisöner heißen Seelturm und Seelengraben so, sondern wegen des alten reichsstädtischen Sonderkrankenhauses gegenüber des Turmes hinter den Bäumen rechts, von dem der rückwärtige Teil noch vorhanden ist und als Galerie genutzt wird.

Hier richtete die Stadt um 1400 das „Seel- oder Blatternhaus am Gries“ ein, welches zur Aufnahme der an der „Franzosenkrankheit“ (Syphilis) Erkrankten diente. Reiche Stiftungen Ulmer Bürger finanzierten den laufenden Krankenhausbetrieb, zu dem Therapie wie Resozialisierung der Gesundeten gehörte. Und genau nach den Stiftern ist eine solche Einrichtung „Seelhaus“ benannt; der mittelalterliche Glaube an gute Werke betrachtete eine Spende als „Heilmittel für die Seele“ des Stifters, die -je nach Höhe des abgeführten Betrages- eine gewisse Zeitdauer vom Fegefeuer über die zeitlichen (nicht aber die ewigen) Strafen befreit wurde.Auch ohne solch mittelalterliche Vorstellungen kann man bei einem Spaziergang über den Seelengraben mit seiner dörflichen Idylle immer noch die Seele baumeln lassen…

Text: Uwe Heinloth