Fischerviertel, Gasthaus zur Forelle in herbstlicher Stimmung

Fischerviertel, Gasthaus zur Forelle in herbstlicher Stimmung

Das Fischerviertel zählte der Chronist Felix Fabri zu den einst die ruhige Kernstadt Ulms umgebenden, „mit Lärm erfüllten Vorstädte[n]“, wo nicht nur die Fischer der „Wassertiere“, sondern auch die „Fischerinnen einfältiger Männer“ hausen. Die dortigen „Wohnsitze der Fischer“ waren damals von den Genossen der siebten Ulmer Zunft besiedelt, zu welcher Fabri neben den eigentlichen Fischern auch die „Führer von Flößen und Schiffen“ sowie die „Garnsieder“ rechnete. Die das Gewerbeviertel in zwei Armen durchströmende Blau war zu Fabris Zeiten trotz aller Verschmutzungen offenbar noch „reich an vorzüglichsten Fischen, an Forellen, Grundeln und anderen“. Folgerichtig zeigt das herbstlich-neblige Kalenderbild für Oktober das alte, immer noch betriebene Gasthaus „Zur Forelle“, prächtig mit Kürbissen geschmückt.

Im linken Bildteil erstreckt sich unter dem beeindruckenden Naturdenkmal der alten Trauerweide die Häuslesbrücke zur Schwörhausgasse hinüber, Große und Kleine Blau überspannend. Ihre Brückenbogen gehen noch auf die Stadtmauer von 1316 zurück, welche quer über den Saumarkt zur Staufermauer am Weinhofhang verlief. Erst später wurde diese Stadtmauerbrücke zur heutigen, romantischen Backsteinstraßenbrücke erweitert.

Sie ist benannt nach dem „Häusle“, einem aus ursprünglich zwei getrennten Anwesen bestehenden Gebäude, das die rechte Bildhälfte einnimmt und wohl um 1500 errichtet wurde. Ein Wirtshaus in den schließlich zusammengefügten Häusern ist schon 1626 als Eigentum des Fischerwirts „Jacob Schwenken“ belegt, welcher bereits „ein Schild heraushängen und Leute setzen durfte“ gemäß Erlaubnis des Rates als gastronomischer Aufsichtsbehörde. Der bis heute erhaltene Gasthausname „Zur Forelle“ geht anscheinend auf Nachfolger und Wirt Johannes Kleinknecht um 1695 zurück. Davon und dass 1786 die „Forelle oder das Häuslein unter den Fischern“ „Bier und Wein ausschenken und herbergen“ durfte, berichtet Müller in seiner Ulmer Wirtsgewerbegeschichte; er schreibt auch, dass erst 1837 ein auf der „Forelle“ seit vielen Jahren liegendes Recht (wieder) entdeckt wurde, nach welchem dort Branntwein gebrannt und ausgeschenkt werden durfte.

Ob wohl ein durstiger Soldat aus Napoleons Grande Armée während der Belagerung Ulms im Oktober 1805, bei der die Österreicher nach der verlorenen Schlacht von Elchingen schließlich kapitulierten, die heute noch in der Erdgeschosswand unter dem zweiten Fenster von rechts sichtbar steckende Kanonenkugel abgeschossen hat? Dann nämlich könnte der ballistische Gast der „Forelle“ der Anfang vom Ende des habsburgisch geprägten mittelalterlichen Reiches ein Jahr später, 1806, sein, als der letzte römische Kaiser in Wien abdankte. Doch darüber liegt, wie das Bild zeigt, der Nebel des Fischerviertels…

Text: Uwe Heinloth

Ansicht Ulm über die Donau

Ansicht Ulm

 

Ansicht Ulm mit Münster

Die Ansicht von Ulm mit Donau von der Eisenbahnbrücke nach Neu-Ulm aus.

Das Mai-Bild zeigt Ulms Donauufer, erst im 19. Jahrhundert durch Anschwemmung entstanden, später als Grünanlage gestaltet. Darüber türmt sich wahrlich die Stadtsilhouette auf.

Die Donaustadtmauer wurde zur Verkürzung der Verteidigungslinie 1480 in die „reißenden“ Fluten hineingebaut, sie bezog erstmals die bis dahin außerhalb der Mauern liegende Vorstadt im „Gumpen“ ein, heute Gegend der unteren Fischergasse und des Fischerplätzles. Darüber ragen die hohen Dächer der Weinhofbebauung, wo sich seit dem 9. Jahrhundert wohl die karolingische Königspfalz befunden hat. Dahinter wiederum wächst die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche, das erst 1890 vollendete Ulmer Münster, empor. So wird der linke Bildteil von den einstigen Zentren königlicher Macht, städtischer Wehrpolitik und bürgerschaftlicher Frömmigkeit beherrscht.

Am rechten Bildrand dagegen präsentiert sich mit Türmchen das Rathaus am Marktplatz, dem einst reichsstädtischen Zentrum von Handel, Gewerbe und Politik. Zunächst als Kaufhaus erbaut, besetzten immer mehr „obrigkeitliche“ Funktionen den Gebäudekomplex, der langsam zum Rathaus wurde. Allerdings war eine neuzeitlich-aufklärerische Gewaltentrennung damals noch unbekannt, weshalb, oft personell vermengt, Exekutive, Jurisdiktion und Legislative unter nur einem Dach tätig wurden. Derart kurze Wege sollen bisweilen zu nicht immer ganz unparteiischen Entscheidungen geführt haben, was die Bürgerprozesse gegen die städtische Obrigkeit im 18. Jahrhundert zeigen.

Aber die Donau konnte ja zum „Fluchtweg“ aus derartiger Politik werden; trotz gepredigter Warnungen und Auswanderungsverboten lockten günstige Konditionen wie anfängliche Steuerfreiheit und Hoffnung auf eine bessere Existenz hunderttausende „Donauschwaben“ genannte Neusiedler, auch aus Ulm, auf den Balkan. Die Donau zeigte so zwar den Weg, doch nicht die lauernden Probleme in der neuen Heimat. Und es bewahrheiteten sich die Warnungen des Rates leider nur allzu oft: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“ wurde die Zukunftsaussicht.

Text: Uwe Heinloth 

 

Ansicht Ulm über die Donau

Ansicht Ulm

 

Ansicht Ulm mit Münster

Die Ansicht von Ulm mit Donau von der Eisenbahnbrücke nach Neu-Ulm aus.

Das Mai-Bild zeigt Ulms Donauufer, erst im 19. Jahrhundert durch Anschwemmung entstanden, später als Grünanlage gestaltet. Darüber türmt sich wahrlich die Stadtsilhouette auf.

Die Donaustadtmauer wurde zur Verkürzung der Verteidigungslinie 1480 in die „reißenden“ Fluten hineingebaut, sie bezog erstmals die bis dahin außerhalb der Mauern liegende Vorstadt im „Gumpen“ ein, heute Gegend der unteren Fischergasse und des Fischerplätzles. Darüber ragen die hohen Dächer der Weinhofbebauung, wo sich seit dem 9. Jahrhundert wohl die karolingische Königspfalz befunden hat. Dahinter wiederum wächst die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche, das erst 1890 vollendete Ulmer Münster, empor. So wird der linke Bildteil von den einstigen Zentren königlicher Macht, städtischer Wehrpolitik und bürgerschaftlicher Frömmigkeit beherrscht.

Am rechten Bildrand dagegen präsentiert sich mit Türmchen das Rathaus am Marktplatz, dem einst reichsstädtischen Zentrum von Handel, Gewerbe und Politik. Zunächst als Kaufhaus erbaut, besetzten immer mehr „obrigkeitliche“ Funktionen den Gebäudekomplex, der langsam zum Rathaus wurde. Allerdings war eine neuzeitlich-aufklärerische Gewaltentrennung damals noch unbekannt, weshalb, oft personell vermengt, Exekutive, Jurisdiktion und Legislative unter nur einem Dach tätig wurden. Derart kurze Wege sollen bisweilen zu nicht immer ganz unparteiischen Entscheidungen geführt haben, was die Bürgerprozesse gegen die städtische Obrigkeit im 18. Jahrhundert zeigen.

Aber die Donau konnte ja zum „Fluchtweg“ aus derartiger Politik werden; trotz gepredigter Warnungen und Auswanderungsverboten lockten günstige Konditionen wie anfängliche Steuerfreiheit und Hoffnung auf eine bessere Existenz hunderttausende „Donauschwaben“ genannte Neusiedler, auch aus Ulm, auf den Balkan. Die Donau zeigte so zwar den Weg, doch nicht die lauernden Probleme in der neuen Heimat. Und es bewahrheiteten sich die Warnungen des Rates leider nur allzu oft: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“ wurde die Zukunftsaussicht.

Text: Uwe Heinloth

Text: Uwe Heinloth

 

 

Am Seelengraben, Grabenhäuschen

Der Durchblick auf die nördliche Stadtbefestigung am „Neuen Graben“ zeigt eines der alten „Grabenhäuschen“

Der Durchblick auf die nördliche Stadtbefestigung am „Neuen Graben“ zeigt eines der alten „Grabenhäuschen“

Der Durchblick auf die nördliche Stadtbefestigung am „Neuen Graben“ zeigt eines der alten „Grabenhäuschen“. Sie kamen wohl zu ihrem merkwürdigen Namen, weil sie auf der nördlichen (und früher auch westlichen) Stadtmauer oberhalb des feindseitigen Stadtgrabens stehen. Dies wurde erst möglich, nachdem die mittelalterliche Doppelmauer mit dazwischenliegendem Zwinger ab 1527 nach der neuen Befestigungslehre Albrecht Dürers umgebaut, somit der fortgeschrittenen Geschütztechnik angepasst worden war.

Hierbei schüttete man den Zwischenraum zwischen innerer und äußerer Stadtmauer auf, glich beide Mauern in der Höhe einander an, und erhielt so eine neue, breite Stadtmauer als Geschützplattform. Deren Feindseite wurde durch eine viertelkreisförmige, nach außen abgerundete Brustwehr mit eingebauten Schießscharten gesichert; durch diese konnten die auf der Plattform neu aufgestellten Verteidigungsgeschütze feuern. Das Festungskonzept Dürers bewährte sich 1552 im Markgrafenkrieg.

Allerdings erfolgte schon ab Beginn des 17. Jahrhunderts eine Neubefestigung durch ein im Vorfeld des Dürerschen Geschützwalles angelegtes, reines Erdwall- und Wassergrabensystem, welches die alte Geschützplattform dahinter jetzt überflüssig machte. So konnte diese mit „Losamentern“, Häuschen für das erste stehende Heer Ulms, bebaut werden; „Garnisöner“ nannte man jene Berufssoldaten, deren spätere „Monturen“ heute noch im Festzug des Ulmer Fischerstechens als meist „evangelische“, also hauptsächlich blau-weiß-farbige Uniformen der Musikkapellen zu sehen sind.

Ab 1610 erhielten die Garnisöner ihre Unterkünfte mit Küche, Stube und Kammer. Pro Häuslein wohnte je ein Soldat mit Familie, oder zwei unverheiratete Verteidiger teilten sich ein solches gemeinsam. Heute präsentieren sich die noch erhaltenen, weitestgehend sanierten Losamenter in kleinstädtischer Idylle mit Vorgärtchen, wie das Bild zeigt. Durch Abtragen der Brustwehr sind die Grabenhäuschen inzwischen alle vergrößert und bieten so auch Ausblicke von der Mauer zur Olga- und Heimstraße, der einstigen Feindseite

Text: Uwe Heinloth

 

 

Kalender – Impressionen Ulm 2014

Impressionen Ulm 2014

Kienlesberbastion im WinterKienlesbergbastion im Winter

Kalender des Ulmer Citymarketing e.V. Ausgabe 2014

Der Bildkalender Impressionen Ulm zeigt die schönsten Seiten von Ulm und Neu-Ulm in 12 tollen Motiven.

Die wundervollen Texte sind wieder der Feder von Uwe Heinloth. Vielen Dank.

Januar – Kienlesbergbastion
Februar – Friedrichsau
März – Kunsthalle Weishaupt
April – Ratiopharm Arena
Mai – Donau, Adlerbastei
Juni – Auf der Stadtmauer
Juli – Nabada
August – Seelengraben, Seelturm
September – Neutorbrücke
Oktober – Fischerviertel
November – Stadthaus
Dezember – Ulmer Weihnachtsmarkt

Kalender - Impressionen Ulm 2014

Artikelnummer: 12014
Stückpreis: 6,90 EUR
(inkl. 19,00% MwSt. und zzgl. Versandkosten)
Gewicht: 0,00 kg

Format DIN A3
4farbig, einseitig, Druck Standard, Lackierung alle Seiten seidenglänzend,
200 g/m² Bilderdruckpapier seidenmatt,
Querformat, 13 Seiten, grauer Rückkarton,
Transparente Zwischenblätter mit Bildbeschreibung
Spiralbindung schwarz, Aufhänger,

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